(vergessen?)
(vergessen?)
Zum ersten Mal hier? Dann: Hier registrieren!

E-Sports

Markt der Milliarden

Ob am Computer, an der Konsole, auf dem Tablet oder auf dem Smartphone: In Deutschland zocken rund 34 Millionen Menschen regelmäßig Computer-, Online- oder Handyspiele. Dem Verband der deutschen Games-Branche zufolge treten rund 7,8 Millionen Gamer hierzulande auch in Wettbewerben und Turnieren gegeneinander an. Und es werden immer mehr.

Wenn Alena Maurer League of Legends spielt, kann sie nichts und niemand vom Bildschirm ablenken. Dann ist sie zu 100 Prozent aufs Spiel konzentriert und versucht, ihre Gegner im Wettkampf hinter sich zu lassen. Das gelingt ihr ziemlich häufig, denn die 28-Jährige, die bei E-Sport-Turnieren unter dem Namen Tifa antritt, ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten League-of-Legends-Spielerinnen Deutschlands und tritt auch international gegen die besten weiblichen Spielerinnen weltweit an. E-Sport, also das wettkampfmäßige Zocken von Videospielen, wird immer beliebter und hat in den letzten Jahren durchaus das Interesse großer Investoren geweckt. Inzwischen haben auch Fußball- oder Basketballvereine ihre eigenen E-Sport-Teams, die in der virtuellen Welt um Siege und Trophäen spielen. Der E-Sport-Markt wächst kontinuierlich und bietet entsprechend viele interessante Jobmöglichkeiten – nicht nur für professionelle Gamer.

Von der Playstation zum Profi-E-Sport

Schon im Alter von drei Jahren spielte Alena Maurer Videospiele mit ihren älteren Cousins, die das Jump-and-Run-Spiel Crash Bandicoot auf der Playstation zockten. „Seither habe ich den Controller nicht mehr weggelegt“, sagt Alena lachend. Anfangs waren Videospiele für sie, wie für viele andere, ein Hobby. Doch als sie das Strategiespiel League of Legends auf einer LAN-Party kennenlernte, war sie schnell begeistert – und nach kurzer Zeit besser als ihre Freunde. Während ihres Linguistikstudiums entwickelte sich der E-Sport dann immer mehr zu ihrem Nebenjob. „Ich habe gerne gegen andere gespielt, weil mir das Wettkampfmäßige am E-Sport gefallen hat, und im Lauf der Zeit wurde die ganze Branche immer professioneller und seriöser. Man konnte auf einmal Geld mit dem Spielen verdienen“, erzählt Alena. „2016 spielte ich mit meinem Team in Paris dann das erste Turnier, und wir wurden gleich Zweite.“ Seither ist Alena, die in Berlin lebt, professionelle E-Sportlerin.

E-Sport hat festen Programmplatz gefunden

E-Sport hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wahren Massenphänomen entwickelt. Die Turniere und Ligen werden nicht nur online von Streamingdiensten wie Youtube und Twitch übertragen, sondern immer häufiger auch von Fernsehsendern wie dem Pay-TV-Sender Sky oder dem von Sport 1 initiierten E-Sports 1. Wie das Statistikportal Statista zeigt, sahen sich 2021 weltweit rund 490 Millionen Menschen zumindest gelegentlich E-Sport-Events an. Im Jahr zuvor hatte die Zuschauerzahl noch bei knapp 436 Millionen gelegen. Für das Jahr 2025 prognostizieren Experten ein noch größeres Interesse und gehen davon aus, dass sich rund 641 Millionen Menschen weltweit gelegentlich oder häufig E-Sport-Veranstaltungen anschauen werden.

Neben den Zuschauerzahlen wachsen zugleich die Umsätze im weltweiten E-Sport-Markt seit Jahren stetig. Sie setzen sich vor allem aus Sponsoring, Werbung, Erlösen aus zahlungspflichtigem Premium-Content, Ticketverkauf und Merchandising zusammen. 2018 konnte sich die E-Sport-Branche weltweit über Umsätze in Höhe von rund 776 Millionen US-Dollar freuen, in diesem Jahr sollen es knapp 1,4 Milliarden US-Dollar werden. Bis zum Jahr 2025 sollen die Umsatzerlöse Berechnungen zufolge auf mehr als 1,8 Milliarden US-Dollar steigen. Dieselbe Entwicklung zeichnet sich auch hierzulande ab: 2021 lag der Umsatz der Branche in Deutschland laut einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC bei rund 113 Millionen Euro. Im Jahr 2025 soll sich das Marktvolumen auf rund 163 Millionen Euro belaufen. Im globalen Vergleich liegt Deutschland damit aktuell auf dem vierten Platz hinter China (400 Millionen US-Dollar), den USA (380 Millionen US-Dollar) und Südkorea (230 Millionen US-Dollar).

Auch die Preisgelder bei E-Sport-Turnieren steigen in immer schwindelerregendere Höhen. Gamer können bei großen Turnieren Summen im Millionenbereich absahnen. Vor allem mit dem Spiel Dota 2 verdienen sich Profis eine wahrlich goldene Nase. Beim Turnier The International 2021 spielten die Gamer um ein Gesamtpreisgeld von rund 40 Millionen US-Dollar. Die besten Spieler können vom Profizocken sogar ziemlich luxuriös leben. So ist der Däne und Dota-2-Spieler Johan Sundstein, der in Spielerkreisen unter dem Namen N0tail bekannt ist, mit bislang rund 7,2 Millionen US-Dollar Gesamtpreisgeld der aktuell bestverdienende E-Sportler.

Die beliebtesten Games

Zu den beliebtesten E-Sport-Games weltweit zählen Strategiespiele wie Dota 2 oder League of Legends, aber auch Survival-Shooter-Spiele wie Fortnite. „Echte Dauerbrenner sind Shooter wie Counter-Strike oder Overwatch“, weiß Felix Falk, Geschäftsführer von Game – Verband der deutschen Games-Branche, der in Köln die Messe Gamescom, das weltweit größte Computer- und Videospiele-Event, veranstaltet. „In den vergangenen Jahren ist das Interesse an sogenannten Battle-Royale-Shootern stark gestiegen. Zudem erreicht uns in Europa immer stärker der Mobile-E-Sport-Trend aus Asien. Zunehmend werden Wettkämpfe in Spielen für Smartphones und Tablets ausgetragen.“ Erfolgreich sind Falk zufolge auch Sportsimulationen wie das Basketball-Game NBA 2K oder das Fußballvideospiel Fifa. Letzteres ist in der Fußballnation Deutschland besonders beliebt. Schließlich haben die hiesigen Spieler auch auf dem digitalen Spielfeld ihre Stärken. So besitzt inzwischen fast jeder Bundesligaverein seine eigene E-Fußball-Abteilung. Auch viele europäische Fußballklubs wie Paris Saint-Germain, Manchester City oder Ajax Amsterdam verfügen über professionelle E-Sport-Teams. Aber nicht immer bauen die Vereine eigene E-Sport-Abteilungen auf. Häufig gehen die Klubs Kooperationen mit bestehenden E-Sport-Teams ein. Ein Beispiel dafür ist der 1. FC Köln, der in der virtuellen, also der Virtual Bundesliga (VBL) von der E-Sport-Organisation SK Gaming vertreten wird.

Der Sparkassen E-Sport-Cup – wie live dabei Eingeführt wurde die Virtual Bundesliga im Jahr 2012 von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Videospieleentwickler EA Sports zum Start des Spiels Fifa 13. Seither wird jedes Jahr virtuell um die Meisterschaft gespielt. Amtierender deutscher Klubmeister im E-Fußball der VBL ist RB Leipzig. Das wettkampfmäßige Gaming ist aber nicht nur etwas für Profis. Auch Hobbyspieler treffen sich immer öfter virtuell oder physisch, um an Keyboard, Smartphone oder der Konsole gegeneinander anzutreten. Beispielsweise beim Sparkassen E-Sport-Cup, der 2019 ins Leben gerufen wurde und bei dem Hobby-Gamer an zahlreichen verschiedenen Standorten zeigen können, wie gut sie die aktuelle Fifa-Version beherrschen. „Das Ganze wird im Livestream über die Streamingplattform Twitch übertragen und von erfahrenen E-Sport-Kommentatoren moderiert“, sagt Ralf Wunsch, Bereichsleiter Vertriebsmanagement der Sparkasse Rastatt-Gernsbach, die in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal erfolgreich einen Sparkassen E-Sport-Cup veranstaltet hat. Daran konnten rund 130 Spieler teilnehmen, und die Zuschauer hatten die Möglichkeit, über Twitch Gewinne abzusahnen. „Auch wenn das Ganze online stattfindet, hat man stets das Gefühl, live dabei zu sein“, sagt Wunsch begeistert. „Und von den meist jungen Teilnehmern haben wir nur positives Feedback erhalten.“

Für die technischen und logistischen Voraussetzungen des Sparkassen E-Sport-Cups sorgen Denny Hilpert und sein Team aus der Schweiz. Hilpert betreibt eine E-Sport-Eventagentur, stellt das nötige

Equipment fürs Gaming bereit, entwickelt Konzepte für E-Sport-Events und kümmert sich um das Streaming und das Social-Media-Marketing. „Beim Sparkassen E-Sport-Cup kann jeder mitmachen, und das kommt bei den jungen Leuten richtig gut an“, sagt Hilpert. „Und auch das Interesse der Sparkassen hat deutlich zugenommen – jedes Jahr machen mehr mit.“

E-Sport als Massenphänomen und Breitensport

In den letzten Jahren ist E-Sport so populär geworden, dass er es bereits 2018 in den Koalitionsvertrag der Bundesregierung geschafft hatte. Schon damals war geplant, E-Sport als eigene Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht anzuerkennen. Bis heute ist das aber noch nicht der Fall. Hintergrund: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ist der Ansicht, dass professionelles Zocken von Videospielen wegen fehlender Bewegung nicht als Sportart einzustufen sei. Die aktuelle Ampelkoalition hat sich das Thema erneut gegriffen und will E-Sport gemäß Koalitionsvertrag gemeinnützig machen. Dadurch könnten zum Beispiel Vereine von Steuererleichterungen und weniger bürokratischen Hürden profitieren.

Grünen-Politiker Michael Kellner, der als Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) unter anderem für Games zuständig ist, sagte im Februar in einem Interview mit dem Verband der deutschen Games-Branche, man müsse in der Sache nun endlich vorangehen. Kellner ganz direkt: „Das Thema hat gefühlt schon so einen Bart, und in dieser Legislaturperiode sollte hier etwas passieren.“ Er selbst setze sich sehr für eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit ein. Wichtig, betonte der Staatssekretär im Interview, sei generell die Umsetzung der Games-Strategie, die 2021 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur veröffentlicht wurde und in der dargelegt wird, wie die Games-Branche in Deutschland gestärkt werden soll. Denn trotz steigender Gesamtumsätze werden nur knapp 5 Prozent der in Deutschland mit digitalen Spielen generierten Umsätze von deutschen Unternehmen erwirtschaftet. „Dabei ist Deutschland einer der größten Märkte im Games-Bereich, da haben wir also Aufholbedarf“, so Kellner. „Auch das Thema Fachkräfte wird uns in den nächsten Jahren weiterhin massiv beschäftigen.“

Die Akteure des deutschen E-Sports streben eine Anerkennung der Gemeinnützigkeit bereits seit Jahren an. „Die Gemeinnützigkeit spielt eine herausragende Rolle für den E-Sport als Breitenbewegung“, erklärt Felix Falk. Es gebe in Deutschland sehr viele Menschen, die auf Amateurebene gegeneinander anträten. Knapp jeder fünfte Spielende in Deutschland habe bereits an Ligen oder Turnieren teilgenommen. Bisher könnten sich diese Amateur-E-Sportler in Deutschland aber nur schlecht in Vereinen organisieren – zumindest, solange der E-Sport nicht als gemeinnützig anerkannt sei. Dabei transportiere der digitale Wettkampf „viele gesellschaftlich wichtige Werte wie etwa Teamgeist, Fair Play und Leistungsbereitschaft“, so Falk. „Daher ist die Unterstützung wichtig, und wir hoffen, dass die Gemeinnützigkeit jetzt schnell umgesetzt wird, wie es im Regierungsprogramm angekündigt wurde.“

Jobs in der E-Sport-Branche

An Spezialisten und Fachkräften gibt es in der Branche einen immer größeren Bedarf. Von der Spieleprogrammierung über das Game-Design bis zum Community-Management oder dem Marketing gibt es vielfältige Berufsbilder. Wer beispielsweise BWL oder Wirtschaftswissenschaften studiert hat, kann sich als E-Sport-Manager um die strategische Ausrichtung einer E-Sport-Abteilung oder um die Konzeption und Vermarktung bestehender oder neuer Produkte im E-Sport kümmern. Entwickler und IT-Experten werden für die Programmierung neuer Spiele benötigt, Social-Media-Manager für die Kommunikation über die sozialen Medien, und für Journalisten und Kommunikationswissenschaftler gibt es die Möglichkeit, sich auf E-Sport und Games-Journalismus zu spezialisieren. Wer Erfahrung im Eventbereich hat, kann sein Geld auch mit der Organisation und Durchführung von E-Sport-Events verdienen – so wie Denny Hilpert. Außerdem gibt es inzwischen spezielle Ausbildungs- und Studienangebote, zum Beispiel für angehende Game-Designer, E-Sport- und Games-Manager, Gamer-Coaches oder Sponsoringexperten. Wer Interesse hat, seinen Lebensunterhalt in der Games-Branche zu verdienen, hat vielfältige Möglichkeiten.

Profi werden im E-Sport

Wer aber lieber selbst zu Konsole oder Keyboard greift und professioneller Gamer werden will, muss das nötige Können mitbringen, denn eine spezielle Ausbildung oder einen Studiengang gibt es dafür nicht. Um als Profi Karriere zu machen, muss man sich – wie in jeder Sportart – von der breiten Masse abheben. Und das geht nur mit schnellen Reflexen, einer guten Hand-Auge-Koordination, viel Training und Durchhaltevermögen. Bei Übertragungen von E-Sport-Turnieren können sich angehende E-Sport-Profis viel von den besten Spielern weltweit abschauen und sich deren Taktiken aneignen.