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Selbstversuch

Wir kennen es ja alle, das Thema Klimaschutz, haben das schon tausend Mal gehört: weniger konsumieren, weniger fliegen, weniger Fleisch essen. Das Bewusstsein für den Klimawandel ist geschärft – „Fridays for Future“ sei Dank. Aber wo und wie soll man da anfangen? Die Liste, was umweltschädlich ist, ist unanständig lang. Und ist es einfach, umweltbewusst zu leben? Ich beschließe, das in einer Woche auszuprobieren.

FACTS

  • Vegetarisch gekocht mit
    der App Plant Jammer
  • Lebensmittel gerettet mit
    der App To Good To Go
  • Fliegen den Vögeln
    überlassen
  • Fliegen den Vögeln
    überlassen

 

MONTAG.
Erst mal möchte ich wissen, wie umweltfreundlich ich bis heute gelebt habe. Bei Google stoße ich schnell auf einen Onlinetest, um den ökologischen Fußabdruck zu ermitteln. Den Test auf der Website des Hilfswerks der evangelischen Landes- und Freikirchen in Deutschland „Brot für die Welt“ mache ich in fünf Minuten. Cool, denke ich. Schnell, interaktiv und macht Spaß. Aber das Ergebnis ist weniger lustig: Würde man meinen Wert auf die Weltbevölkerung umrechnen, würde die Menschheit 3,1 Erden benötigen. Ich trage also dazu bei, dass die Umwelt leidet.

DIENSTAG.
Dieses düstere Bild blendet man normalerweise im Alltag aus. Das Testergebnis im Detail (siehe Torten-Grafik unten) legt nahe: Der größte Anteil an meinem Fußabdruck ist das Fleisch! Durch den überdimensionalen Fleischkonsum, welchen ich an den Tag lege, ist mein ökologischer Fußabdruck riesig und ich zertrample sinnbildlich die Welt … Ich bin Bigfoot! Die Existenz des humanoiden Kryptids wäre damit bewiesen.
Also ab heute Hände weg vom Fleisch.

MITTWOCH.
Zwei Portionen Gemüse und ein Fruchtmüsli später gehe ich den nächsten Punkt an. Meine 1-Zimmer-Wohnung ist nicht sehr groß, allerdings heize ich zu viel. Die Empfehlung im Testergebnis lautet: „18 bis 20 Grad sind ausreichend. Jedes Grad weniger spart etwa sechs Prozent Energie
und Kosten.“ Ich drehe also die Heizung herunter, auf 19 Grad. Nach einer Zeit merke ich, dass ich fröstele. Ich ziehe mir schnell meinen warmen roten Wollpulli an. Ich möchte auch zu Ökostrom wechseln. Geht das wirklich innerhalb von fünf Minuten, wie es auf der Website der Anbieter heißt? Nein, es dauert sechs Minuten. Ich musste nicht mal meine Kundennummer vom alten Stromanbieter zur Hand haben.

FAZIT

Ganz ehrlich: Auf das Fleisch konnte ich nicht komplett verzichten. Aber Lebensmittel werde ich jetzt öfter vor dem Wegwerfen retten. Plastikfrei
einkaufen ist für mich kostspielig, aber ich werde dafür woanders einsparen, um öfters im Unverpackt-Laden einzukaufen.

DONNERSTAG.
Da ich momentan nicht fliege, befinde ich mich hier im grünen Bereich. Ich fahre auch sonst immer mit Bus und Bahn, es ist also keine große Umstellung für mich. Das Tolle daran: Ich kann Bücher lesen oder mir neue Themen für flin ausdenken.

FREITAG.
Über 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich nach Ladenschluss in vielen Restaurants oder Bäckereien im Abfall. Mit der App „To Good To Go“ möchte ich deshalb Lebensmittel vor dem Wegwerfen retten. Ich suche mir etwas aus und bezahle online. Um 19:30 Uhr hole ich die Papptüte mit den Lebensmitteln in einer Bäckerei ab. Der Inhalt: zwei Pizzastücke, ein Kürbiskernbrot, zwei Laugenstangen, zwei Croissants, drei Doppelbrötchen, ein Laugenbrötchen und ein Butter-Hefezopf – ich staune nicht schlecht. Ich habe Waren im Wert von über 10 Euro für 3 Euro bekommen und gleichzeitig das alles vor dem Wegwerfen bewahrt.

WOCHENENDE.
Heute muss ich einkaufen und fahre dafür zum Unverpackt-Laden Schüttgut in Stuttgart. Der kleine Tante-Emma-Laden hat alles, was man zum Leben braucht. Für den Transport sollte man allerdings Tupperdosen aus Metall, Stoffsäckchen oder Schraubgläser nicht vergessen. Die Preise
sind etwas hoch, aber dennoch kaufe ich alles ein, was ich brauche, und trage einen Teil dazu bei, die Umwelt vor dem Burn-out zu schützen. Das fühlt sich gut an.

Bild rechts: Unsere Autorin, Izabella Falon, im Unverpackt-Laden „Schüttgut“ in Stuttgart.