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Sport lebt!

Unsere Gesellschaft war noch nie so an Sport und Bewegung interessiert wie heute. Extremsportarten, Fitness-Influencer oder Yogakurse während der Mittagspause im Büro: Der Sport dringt in alle Lebensbereiche vor. Wie verändert sich die Branche gerade? flin hat den Überblick.

DIE NEUE LUST AM SPORT
Längst bedeutet Sport nicht mehr nur, Kalorien zu verbrennen oder Teil einer Hobby-Mannschaft zu sein. Durch Smartphones und Social Media ist Sport für viele Bestandteil eines attraktiven Lifestyles geworden. Zukunftsforscher und Professor an der WHU – Otto Beisheim School of Management Sascha L. Schmidt: „Die Datenrevolution ermöglicht es heute schon Freizeitsportlern, annähernd wie ein Profi zu trainieren.“ Die Sportwelt befindet sich durch den technologischen Fortschritt im Wandel – das Training wird zunehmend virtueller und personalisierter. „Jeder kann seine Leistungswerte tracken, daraufhin gezielt sein Training anpassen und sich ständig mit anderen vergleichen“, so Sascha Schmidt. Die ersten körperlichen Ertüchtigungen gab es schon in der Altsteinzeit – das belegen Felsenmalereien. Doch der Begriff „Sport“ wurde erstmals in der Moderne verwendet: Im 18. und 19. Jahrhundert beschrieb er eine spezifische Form der Leibesübung, die von England nach Europa kam. Schließlich hat sich Sport im 20. Jahrhundert zu einem universalen Phänomen entwickelt. Heute ist es überall auf der Welt präsent. Auf den folgenden Seiten gewährt flin Einblicke in den Alltag einer Fitness-Influencerin, erzählt, welche neuen Technologien den Amateur- und Profisport verändern, und antwortet auf die Frage, ob E-Sport eigentlich Sport ist. Nebenbei erfährt man, welcher Sporttyp man selbst ist.

FLEXIBEL, INDIVIDUELL UND RUND UM DIE UHR
„Der Trend im Sport geht derzeit weg vom Verein und dem ehrenamtlichen Engagement hin zu flexibleren Formen des Sporttreibens – Freizeitsportler möchten gerne ganz unabhängig entscheiden, wann und wie sie trainieren“, beobachtet der Zukunftsforscher. Einige springen auf den Fitness-Hype in den sozialen Medien auf, zeigen anderen durch Fotos und Videos, wie sie trainieren. Influencer besitzen auch im Sportmarketing eine Menge Strahlkraft, wie Fitness-Model Pamela Reif oder Johannes Luckas, der als Personal Trainer online tätig ist, zeigen. So werden der Gesellschaft auf allen medialen Kanälen rund um die Uhr normschöne, gar perfekte Körper vor Augen geführt – und das steigert den Wunsch nach Teilhabe und Selbstoptimierung. Social Media erlauben Fans rund um die Uhr einen intensiveren Einblick in das private Leben ihrer liebsten Sportler als je zuvor und damit auch Einblick in einen Lifestyle, den sie nachleben wollen.
SASCHA L. SCHMIDT - Zukunftsforscher und Leiter des Center for Sports and Management an der WHU

BEDÜRFNIS: GESEHEN WERDEN „Dress to impress“
Fokus: Lifestyle, Styling
Effekt: Selbstbewusstsein

DER FASHION-SPORTLER

Er macht nicht nur eine tolle Figur – er sieht dabei auch noch gut aus. No-Name-Klamotten kommen für ihn nicht infrage. Die Frisur sitzt perfekt, das
Sportoberteil passt farblich zu den Schuhen und im Fitnessstudio drehen sich alle nach ihm um. Auf seinem Instagram-Kanal setzt er seinen straffen
Body in möglichst vielen unterschiedlichen Sport-Outfits in Szene. Mit seiner Fitnessgarderobe könnte er einen einzigen Kleiderschrank füllen. Er zeigt: Schwitzen und dabei gut aussehen ist kein Widerspruch.

BEDÜRFNIS: DER KICK „Schneller, höher, weiter“
Fokus: Grenzsituationen
Effekt: Mentale Stärke

DER THRILL-SPORTLER

Er braucht den Nervenkitzel wie die Luft zum Atmen: der Extremsportler. Ob Fallschirmspringen, Bungee-Jumping oder Freiklettern – als Grenzgänger ist ihm keine Schlucht zu tief und kein Risiko zu hoch. Durch seinen Drang, an körperliche Limits zu gehen, setzt der Thrill-Sportler sich häufig physischen und psychischen Extremsituationen aus. Er balanciert auf der Slackline über die höchsten Wasserfälle der Welt, stürzt sich mit dem Freestyle-Kajak in die Fluten oder rast mit dem Mountainbike auf der Downhillstrecke bergab. Problematisch kann es für den Extremsportler werden, wenn sein übertriebener Ehrgeiz zu Selbstüberschätzung führt.

Ein Interview mit Anna Schweisgut (Sport- und Gymnastik- lehrerin und Fitness- Influencerin)

„DER TREND GEHT VON SKINNY ZU STRONG“

Wie haben Sie den Sport für sich entdeckt?
In der Ausbildung zur Sport- und Gymnastiklehrerin habe ich gemerkt, dass Sport alles verändert. Er verändert dein Mindset und deine Gesundheit – langfristig. In vielerlei Hinsicht hat sich der Sport bei mir positiv ausgewirkt. Auch mentale Blockaden können durch Sport gelöst werden. Ich habe aber schon als Kind immer viel Sport gemacht: Tennis, Hip-Hop, Ballett, Leichtathletik … Heute brauche ich den Sport, um mich auszupowern.

Sie haben über 60.000 Follower auf Instagram. Wie wird man Fitness-Influencer?
Instagram hat sich bei mir nebenher entwickelt. Es ist für mich ein Hobby neben meinem Hauptberuf als Fitnesstrainerin. Als ich vor rund zweieinhalb Jahren mit dem Krafttraining begonnen habe, hat sich mein ganzer Körper spürbar verändert – es war ein regelrechter Boom. In der Zeit habe ich viel auf Instagram geteilt, immer mehr Follower dazugewonnen. Mittlerweile habe ich ein Management.

Wie stehen Sie zum Thema Schönheitsideale? Wie sieht für Sie ein perfekter Körper aus?
Schönheitsideale verändern sich. Derzeit geht der Trend bei Frauen von skinny zu strong. Das heißt für viele: Essen und trainieren, anstatt zu hungern. Der perfekte Körper sieht für mich sportlich-schlank aus. Jeder hat eine andere Veranlagung, das ist klar. Sport machen und normal essen ist für mich ideal.

Besonders auf Instagram sieht man immer mehr Menschen mit gestrafften, perfekten Körpern. Finden Sie das auch teilweise bedenklich?
Es muss klar sein, dass Instagram eine oberflächliche Plattform ist. Aber es gibt durchaus auch den Trend zu Reality. Mittlerweile zeigen auch einige: Es ist nicht immer alles so perfekt, wie es aussieht. Die Gegenbewegung verbreitet die Message: Liebe deinen Körper, wie er ist. Natürlich gibt es Menschen, vor allem junge Mädchen, die vom Trend zu vermeintlich perfekten, einfach nur dünnen Körpern, getriggert werden. Das ist problematisch.

Hat sich der Sport durch Social Media verändert?
Definitiv. Der Fokus aufs Thema Fitness und Ernährung ist größer geworden. Ich ernähre mich zum Beispiel vegetarisch und teile regelmäßig Rezepte oder Trainings- und Ernährungspläne.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?
Als Trainerin arbeite ich in der Regel erst abends. Bevor ich aufstehe, beantworte ich meist noch im Bett auf dem Laptop meine E-Mails. Danach gehe ich auch schon ins Gym und trainiere, mittags gibt es dann einen kleinen Brunch oder Mittagessen. Dadurch, dass meine Kurse frühestens um 16 Uhr anfangen, habe ich tagsüber Zeit, um meinen Instagram-Account zu pflegen.

Was würden Sie machen, wenn Sie, zum Beispiel wegen einer Verletzung, keinen Sport mehr machen könnten?
Meine eigenen Erfahrungen, wie ich Motivation und Disziplin entwickelt habe, würde ich dann vielleicht als Sport- und Mindset-Coach anderen weitergeben.

Welcher der von uns vorgestellten Sport-Typen sind Sie?
Ich wäre wohl ein Mix aus Fashion- und Karriere-Sportler (lacht).

Was würden Sie Leuten raten, die mit Kraftsport anfangen?
Dranbleiben!

BEDÜRFNIS: SPORT MIT KI UNTERSTÜTZEN „Technik gehört zum Training.“
Fokus: Leistungsverbesserung
Effekt: neue Sportarten entdecken

DER KI-SPORTLER

Er interessiert sich für Technologien, die beim Sport oder bei der Reha unterstützen, und denkt immer schon einen Schritt weiter. Der KI-(Künstliche Intelligenz-)Sportler glaubt: Durch das Filmen mit intelligenten Kameras und Motion-Tracking wird es in Zukunft möglich sein, Leistungswerte eines Sportlers anhand eines Videos ablesen zu können. Er weiß auch, dass Amateursportler durch Datenerfassung und -verarbeitung heutzutage unter fast professionellen Bedingungen arbeiten können. Als Technologien in ferner Zukunft sieht er etwa Exoskelette, am Körper tragbare Roboter, die den menschlichen Körper stabilisieren und die Bewegungen des Trägers verstärken. Paralympische Athleten könnten in Zukunft davon profitieren. Exoskelette kommen bereits heute bei schweren Arbeiten im Militär- oder Transportbereich zum Einsatz. KI kann alles verändern und sogar neue Sportarten kreieren – da ist sich der KI-Sportler sicher. Algorithmen haben bereits Daten aus über 400 verschiedenen Sportarten, 7.000 Sportregeln und 10.000 Sportmarkenbildern analysiert und daraus eine neue Sportart erschaffen: „Speedgate“, mit Elementen aus Rugby, Fußball und Krocket.

BEDÜRFNIS: GEWINNEN „Wer alle seine Ziele erreicht, hat sie zu niedrig gewählt.“
Fokus: Anerkennung, Erfolg, Geld
Effekt: Sport als Lebensinhalt

DER KARRIERE-SPORTLER

Der Karriere-Sportler merkt in der Regel schon in jungen Jahren, dass er seine Sportart zum Beruf machen möchte. Wer in Richtung Profisport tendiert, wird mit etwas Glück von einem Talentscout entdeckt oder ergattert einen Platz in einem Jugendkader. Eines sollte man sich bewusst machen: Berufssport ist immer Leistungssport. Einkünfte erzielt der Karriere-Sportler neben dem Gehalt auch durch Prämien, Preisgelder, Werbeverträge und Sponsoring. Für einige Sportarten in Deutschland wurde festgelegt, ab welchem Level oder welcher Liga es sich um Profisport handelt, beispielsweise im Fußball. Mischformen aus Profi- und Amateursportler sind zum Beispiel eine Teilzeitbeschäftigung und Sportkarriere oder Spielertrainer. Amateur- und Profisport lassen sich in vielen Fällen nicht mehr sauber abgrenzen.

BEDÜRFNIS: HOBBY ALS BERUF „Ein gesunder Lebensstil und Gaming sind kein Widerspruch.“
Fokus: Reaktion, Taktik, Stärke
Effekt: Disziplin

DER E-SPORTLER

Reaktionsgeschwindigkeit, räumliches Orientierungsvermögen, taktisches und vorausschauendes Denken – all diese motorischen und geistigen Fähigkeiten vereint der E-Sportler. Als Individualsportler oder in der Mannschaft hat er sein Hobby zum Beruf gemacht und absolviert Wettkämpfe in Computerspielen. Seine Ausrüstung: Computer, Konsole, Handy und die entsprechende Geräteperipherie. Durch tägliches Training vor dem Bildschirm
arbeitet der E-Sportler kontinuierlich an Bewegungsabläufen und Steuerbefehlen, die ihm nach und nach reflexartig von der Hand gehen. Der E-Sportler bewegt sich in verschiedenen Genres wie Echtzeitstrategie, Shootern oder Sportsimulationen und ist in der Regel Experte für ein bestimmtes Multiplayer-Spiel.

BEDÜRFNIS: ABSCHALTEN „Balance your mind, body and soul.“
Fokus: Entspannung
Effekt: Ausgeglichenheit

DER WELLNESS-SPORTLER

Yoga, Pilates oder Qigong – hier findet der Wellness-Sportler innere Ruhe und Ausgeglichenheit. Er legt Wert auf ein schonendes, ganzheitliches
Körpertraining und konzentriert sich neben Fitnessaspekten auch auf Atmung und Haltung. Nach einem Training fühlt der Wellness-Sportler sich
entspannt und gestärkt zugleich. Dabei konzentriert er sich weniger auf Leistung und Erfolg, sondern vielmehr darauf, etwas für sich und seine Seele zu tun. Der Boom von Yogastudios und Co. zeigt, dass der Trend, durch Sport gezielt die eigene Balance und Psyche zu stärken, in der Gesellschaft angekommen ist und weiter wächst.

IST DAS NOCH SPORT? Ein Interview mit Hans Jagnow (ehemaliger Präsident eSport-Bund Deutschland e.V.)

Die meisten Menschen fragen sich wahrscheinlich: Ist das noch Sport?
E-Sport ist definitiv Sport. Wir verstehen es als Präzisionssportart, ähnlich wie Darts oder auch Motorsport. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Genauigkeit, welcher motorischen Fertigkeit und taktischer Beherrschung die Spieler auftreten und innerhalb von Sekundenbruchteilen strategische Entscheidungen treffen. Man muss das Spiel in- und auswendig kennen. Das deckt sich mit gängigen Definitionen von Sport.

Was tun Sie gegen das Gaming-Image, Klischees und Vorurteile?
Zunächst einmal zum Begriffsverständnis. E-Sport ist, wenn sich Menschen an Eingabegeräten, zum Beispiel Computer oder Konsole, in den direkten Wettkampf begeben. Gaming ist, wenn ich beispielsweise bei mir zu Hause auf dem Sofa einen Controller in die Hand nehme und nicht vorrangig kompetitiv spiele. Auch wenn heute hin und wieder abgenutzte Vorurteile gegen E-Sport und Gaming aus der Mottenkiste geholt werden, ist die Akzeptanz im Vergleich zu früher stark gewachsen: Fast jeder zweite Deutsche lässt sich als Gamer bezeichnen – sei es am Computer, an der Konsole oder am Handy. Da geht aber noch mehr: Die Mitgliedervereine des ESBD schulen den bewussten Umgang mit dem Medium Computerspiel. Das ist auch ein Teil unserer eigenen Trainerausbildung. Erfolgreich im E-Sport zu sein, heißt nicht, von morgens bis abends zu spielen. Es muss einen geregelten Ausgleich geben, auch durch Ernährung und Bewegung. Die Klischees von vor 15 Jahren entsprechen nicht der Realität. Angeboten von den Vereinen werden zum Beispiel auch Elternabende, bei denen erklärt wird, was Kinder und Jugendliche da eigentlich machen. Es wird damit aktive und zielgruppengerechte Aufklärungsarbeit betrieben. Das wird auch in der Politik immer stärker wahrgenommen.

Was macht der eSport-Bund Deutschland?
Wir sind der Fachsportverband und die geeinte Stimme für den organisierten E-Sport in Deutschland. Der E-Sport gliedert sich in unserer Verbandsstruktur in drei große Bereiche: Einmal Breitensport, also Amateurvereine. Dann gibt es einen Leistungssportbereich, in dem sich professionelle Teams organisieren, die bei Turnieren um hohe Preisgelder kämpfen. Die dritte Säule sind Wettbewerbsausrichter, die sich von Spiel zu Spiel unterscheiden können. Zudem haben wir, wie gesagt, eine eigene Akademie, in der wir Aus- und Weiterbildungen entwickeln und schulen. Dazu kommen thematische Arbeitsgruppen, zum Beispiel zum wichtigen Thema Diversität oder zum Jugendschutz. Wir zeigen damit: Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung und entwickeln die Sportart ständig weiter.

Was sind die gängigsten Spiele, die gespielt werden?
Die beliebtesten Titel in Deutschland verändern sich immer wieder. Natürlich kennen wir feste Konstanten, wie League of Legends, Counter-Strike oder die FIFA-Reihe. Andererseits kommen auch manchmal Spiele aus dem Nichts und sind auf einmal unglaublich populär, wie das bekannte Fortnite. Insgesamt kennzeichnet den E-Sport eine wachsende Vielfalt an Spieletiteln. Diese Dynamik führt zu vielen unterschiedlich großen Communitys, die alle mit Begeisterung in ihrem Spiel unterwegs sind. Wie lange dauert ein Wettkampf gewöhnlich? Das kommt sehr aufs Spiel an. Matches gehen von 15 Minuten bis hin zu mehr als einer Stunde. Oft werden dieses Matches in Spielrunden unterteilt, gleichzeitig aber auch im
Turniersystem in der Bewertung verbunden. Wer dann 3 aus 5 Matches gewinnt, gewinnt den jeweiligen Turnierabschnitt.

Welche Fähigkeiten sollte man als E-Sportler mitbringen?
Ausdauer, Geduld, Disziplin, strategisches Verständnis, gute Feinmotorik und natürlich Talent. Auf verschiedenen Plattformen kann man seine Leistungen unter Beweis stellen und sich ständig verbessern. Wer vorhat, professioneller E-Sportler zu werden, muss den Weg nicht alleine gehen und kann sich bei regionalen Vereinen und Onlineteams umschauen und Angebote wie angeleitete Trainings in Anspruch nehmen.

 

Autorin: Sina Alonso Garcia