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Der Sprung ins Abenteuer

Work & Travel

Esther Stein, 20 Jahre alt

Reisedauer: 7 Monate (2016/2017)

Lieblingsort: Atacama-Wüste, Pinguininsel Isla Magdalena, Osterinsel

Lieblingsessen: Empanada - Teiggebäck

Gesamtkosten: 4.000,- €

CHILE

Ans andere Ende der Welt reisen – abseits von ausgetretenen Touristenpfaden. Arbeiten und reisen in einem Land, von dem man schon immer geträumt hatte – das ist das, was Work &Travel ausmacht. Doch wie bereitet man sich auf solch eine Reise vor? Mit welchen Überraschungen muss man rechnen?

Große Flächen ohne Vegetation, Strom oder Internet. Nur die trockenste Wüste der Welt und weit und breit nichts. Keine Städte, Dörfer oder Strommasten. Und mittendrin Esther Stein. Die Pulli-Ärmel bis zu den Fingerspitzen runtergezogen, ihr Blick auf unendliche Weiten gerichtet – von Hitze keine Spur. Es war ihre erste Exkursion in ein fernes Land und die Erfüllung ihres Traumes – die dreitägige Jeeptour durch die 120 km lange Atacama-Wüste ein Highlight auf ihrer Reise. „Es war beeindruckend, wie ursprünglich da alles ist.“ Ihr kam es wie eine Ewigkeit vor, als sie durch die weite Wüste fuhr und immer wieder an den vielen Lagunen, Geysiren und kleinen Gebirgen anhielt. Da die Wüste relativ hoch liegt, ist es dort gar nicht so heiß und mit 25 Grad sogar angenehm.

Gleich nach dem Abi, mit 19 Jahren, machte sie sich auf den Weg und reiste sieben Monate lang durch Chile. Ihr Gepäck: ein großer Rucksack und ein Tagesrucksack. Das Schwierige beim Packen, so Esther: „Chile liegt im Süden, nahe an der Antarktis und ist da eisig kalt, im Norden wiederum gibt es Wüste und viel Wärme. Da muss man für alle Wetterstufen was dabeihaben.“ So weht auch auf der Isla Magdalena ein eisiger Wind: Kein Wunder, die kleine Insel mit ihrem Leuchtturm befindet sich im sagenumwobenen Patagonien. Das Klima ist dort extrem kühl und feucht. Die Insel hat aber noch etwas Besonderes zu bieten: Magellan-pinguine. „Ich war in der Nebensaison dort – Ende Oktober, und auf der Insel gab es eisig kalte Winde. Es waren Pinguine zu sehen, aber die meisten suchten sich eher einen warmen Unterschlupf in ihren Löchern und Höhlen. Im Sommer verbringen sie die meiste Zeit draußen und dann ist auch echt die ganze Insel voll von den süßen Tieren.“

 

Obwohl für viele Work & Traveller die Top- Destinationen Australien, Neuseeland und Kanada sind, ließ sich Esther von einer Freundin zu Chile inspirieren. Über die Websites helpx und Wwoof organisierte sie ihren Trip selbst und sicherte sich schon vor der Reise die ersten Jobs. „Ich habe einen Monat vorher geschaut, ob alles sicher ist. Weil ich immer Panik hatte, ob alles klappt.“ Die gastfreundlichen Familien, bei welchen sie wohnte und arbeitete, kochten traditionelle Gerichte; von einem schwärmt Esther heute noch: den Teigtaschen Empanada, gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder Fisch.
Doch knapp die Hälfte der Work & Traveller wünschen sich laut einer Umfrage eine Unterstützung bei der Organisation ihrer Reise. Christof Zilligen vom Reiseveranstalter TravelWorks versteht das nur zu gut. „Unsere Programmkoordinatorinnen für Work & Travel wissen genau, welche Anforderungen gestellt werden, worauf zu achten und was bei Notfällen oder Problemen zu tun ist.“ Den Reisenden stehen erfahrene Ansprechpartner zur Seite – vor, während und nach der Reise, 24 Stunden am Tag. Der Reiseveranstalter hilft bei der Beantragung des Visums und der Jobsuche, gibt als Insider weitere wertvolle Tipps und stellt eine Plattform zur Verfügung, auf der man sich mit anderen vernetzen und austauschen kann. So haben die Backpacker die Gelegenheit, Menschen kennenzulernen und vielleicht sogar einen künftigen Reisepartner zu finden.

Mit Work & Travel pimpen sich reisehungrige Weltentdecker nicht nur ihren Lebenslauf auf – sie erleben faszinierende Orte, fremde Kulturen und sammeln Arbeitserfahrung. Denn mit verschiedenen Gelegenheitsjobs vor Ort, auch Jobhopping genannt, finanzieren sie sich ihren Aufenthalt. Esther arbeitete auf einer Farm, in einem Hotel und im Touristenzentrum. Sie half auf Märkten aus, Gemüse zu verkaufen, und jätete Unkraut. Im Zwei- oder Drei-Wochen-Takt reiste sie je nach Lust und Laune direkt zum nächsten Job oder legte eine Pause ein, um die Umgebung zu erkunden. Esther: „Die meisten Arbeiten waren relativ einfach und leicht, man musste auch nie zu lange arbeiten, so vier bis fünf Stunden am Tag. Die Chilenen sind locker und gechillt.“ Als Lohn gab es Kost und Logis: Die Unterkunft und die Verpflegung war frei. „Manchmal gab es ein wenig Taschengeld dazu.“

Für Esther war es die Reise ihres Lebens. Neben dem Genuss der außergewöhnlichen Landschaften und kulinarischen Köstlichkeiten tauchte sie ins Alltagsleben der Chilenen ein. Und wurde mit Problemen vor Ort konfrontiert, etwa was Strom oder warmes Wasser betrifft. In Chile sind sie keine Selbstverständlichkeit und an vielen Orten eher die Ausnahme als die Regel. „Der Standard und Komfort sind niedriger als bei uns. Es ist oft vorgekommen, dass das Gas leer war und wir mussten tagelang mit kaltem Wasser duschen. Bei der Hygiene darf man keine hohen Ansprüche haben.“
Eine große Portion Offenheit,viel Mut sowie die Akzeptanz ungewohnter Lebensstandards sind für Esther die Zauberformel für Work & Travel. Zugleich dürfen W&Tler nie die Sprache vergessen. In Südamerika wird in ländlichen Gebieten kaum Englisch, sondern nur Spanisch gesprochen. Dennoch ist man nie allein: So ermöglichte der Zauber der Digitalisierung Esther, regelmäßig mit Familie und Freunden zu skypen. In ihrem Blog „suedamerika1718.blogspot.com“ teilte sie auch ihre Eindrücke und Erlebnisse ihres Abenteuers mit der Welt.

Jan Kottkamp, 21 Jahre alt

Reisedauer: 7 Monate (2016/2017)

Lieblingsort: Kings Canyon, eine Oase mitten im Outback

Lieblingsessen: BBQ – Fleisch konnten wir uns selten leisten

Gesamtkosten: 7.000,- €

 

AUSTRALIEN

Spinnen, Schlangen oder Kängurus – Australien ist das Land mit einer einzigartigen Tiervielfalt und spektakulären Landschaft. Jan entdeckte die größte Insel der Welt und erlebte eine eindrucksvolle Reise voller Herausforderungen, Bekanntschaften und Freiheiten.

Die erste Nacht war sehr kurz im spartanisch eingerichteten Hostel und auch nicht sehr angenehm. Doch als Jan Kottkamp morgens in seine Badeschlappen hüpfte und die australische Luft schnupperte, wusste er – es wird die Tour seines Lebens. Sieben Monate lang reiste der 21-Jährige durch die vielen Extreme des fünften Kontinents und machte einige Bekanntschaften: „Hin und wieder sind mir Schlangen über die Füße gehuscht und eine giftige Spinne, die australische Wolf Spider, ist in meinen Van gekrabbelt.“ Sie ist dann aber wieder von alleine hinausspaziert. Einen Schmusefaktor boten dafür niedliche und anschmiegsame Kängurus, die in Australien in freier Wildbahn leben und sich mit Butterkeksen füttern lassen.

Der kleinste Kontinent der Erde bietet große Gegensätze: erloschene Vulkane wechseln sich mit weiten Wüsten ab, um gleich darauf atemberaubende Aussichten freizugeben. Imposante Großstädte teilen sich das Panorama mit dem sagenumwobenen Outback, das sich fast über den gesamten Kontinent erstreckt. Das wilde Hinterland war das größte Erlebnis für Jan: „Am eindrucksvollsten war der Kings Canyon, eine Oase mitten im roten Nichts des Outbacks.“ Doch die endlose Weite hat ihre Schattenseiten. Die Temperaturen steigen nicht selten auf bis zu 50 Grad an. Jan nahm bei solchen Exkursionen einen 20-Liter-Wasserkanister mit und füllte sich diesen öfters an Parkplätzen nach. Kopfbedeckung und Sonnencreme gehörten stets zu Jans Grundausstattung.

Mit dem Working-Holiday-Visum für Australien durfte Jan dort arbeiten und sich so seinen Aufenthalt finanzieren. „Ich habe als Assistent in einer Autowerkstatt gearbeitet, mich rund um ein Haus und Garten gekümmert und als Aushilfsarbeiter ein Haus mitrenoviert.“ Ein schon eher „bekannter Geheimtipp“ für die Jobsuche ist das Internetportal gumtree.com.au, das auch Jan nutzte. Auf Unternehmen direkt zugehen, persönlich vorsprechen und seinen Lebenslauf hinterlassen: Warum nicht?, dachte sich Jan, und tatsächlich – die Jobzusagen sprudelten. Seine teilweise bis zu 70-Stunden-Woche war hart, machte aber auch sehr viel Spaß. Der Job, in dem er als sogenannter „Decki“ am Pier und auf einem Schiff Unmengen von Krabben ver- und entladen hat, bleibt für Jan in bester Erinnerung. Nach getaner Pflicht entspannte er sich bei nächtlichen Kartenspielrunden unter provisorisch aufgehängten Planen – bei strömendem Regen: „Das war ein witziges Erlebnis.“

Rückwirkend war Work & Travel für Jan der Turbo für die Entwicklung seiner Persönlichkeit: „Ich bin selbstständiger geworden, habe mich von vielen beeindruckenden Menschen inspirieren lassen, bin offener und positiver geworden und habe gelernt, Geld einzuteilen und damit hauszuhalten.“

Sandra Lang, 26 Jahre alt

Reisedauer: 3,5 Monate (2018)

Lieblingsort: Vancouver Island, Sunshine Coast

Lieblingsessen: Sushi, Fish & Chips und natürlich Poutine ;-)

Gesamtkosten: 3.000,- €

 

KANADA

Manches ist anders in Kanada. Das Busfahren, die Sonnenuntergänge oder die Tierwelt. Das Campen kann dabei zu einem bärigen Abenteuer werden, wenn Touris die Bärenglocke läuten und denken, diese scheuche die Tiere weg. Der Work-&-Travel-Trip bot Sandra nicht nur Einblicke in die wilde Tierwelt des Landes, sondern zeigte ihr die Mentalität, die Gewohnheiten und die Lebensweise die Kanadier.

„Just go with the flow“ – lass dich einfach treiben. Der Spruch an der Westküste von Nordamerika spiegelt die entspannte Lebensweise der Menschen wider. Die 26-jährige Sandra war über drei Monate in Kanada und brachte einen Rucksack voller Eindrücke zurück. Die Menschen sind „weltoffener, entspannter, naturverbundener und verrückter als bei uns“, erzählt sie. Sie sind höflich, hilfsbereit und dafür bekannt, ständig „sorry“ zu sagen. Im Bus kam Sandra mit den Mitfahrern schnell ins Gespräch und machte neue Bekanntschaften. „Beim Aussteigen dankt man grundsätzlich dem Fahrer mit ‚Thank you driver‘.“


Auf eines sind die Kanadier besonders stolz: British Columbia. Die drittgrößte Provinz Kanadas liegt an der Westküste. Auf den Nummernschildern der Autos ist „Beautiful B.C.“ zu lesen. Und tatsächlich ist die wilde Landschaft und Tiervielfalt besonders schön. „Beim Fahren mit den unzähligen Fähren trifft man immer wieder auf Buckelwale und Orkas“, Rehe springen einem am Strand vor die Nase und beim Waldspaziergang kann man tatsächlich Bären treffen. Da hilft keine Bärenglocke zum Abschrecken der Tiere – im Gegenteil: Sie lockt sogar gefährliche Bergpumas an. Also wappnete sich Sandra mit einem Bärenspray, wenn sie „hiken“ – eine Form des Wanderns – oder campen war. „Das Meer und die Strände, die Nadelwälder und die Berge sowie die türkisblauen Gletscherseen – die Kombination ist wundervoll“, schwärmt die Weltenbummlerin bis heute. So schlenderte sie an der Promenade an Palmen vorbei, um gleich danach ins 28 Grad warme Wasser zu springen. Am Lagerfeuer hielt sie in einer Hand ein Stockbrot und Marshmallows, in der anderen ein Root Beer – ein alkoholfreies Getränk, ähnlich unserem Malzbier –, denn „public drinking“ ist in B.C. nicht erlaubt. Zu gerne relaxte sie nach der Arbeit einfach in den Abend hinein. Zum Beispiel chillen im Hot Tub – ein Whirlpool, der in Kanada zum Standard zählt.

Packliste der Work & Traveller:

  • Klamotten für ca. zwei Wochen
  • ein Erste-Hilfe-Set
  • ein zweites Paar Schuhe und Badeschlappen
  • zwei Mikrofaser-Handtücher
  • eine kleine Pfanne und ein kleiner Topf
  • ein Kulturbeutel und ein Messer

Aber apropos Arbeit: Geld verdienen, um sich vor allem Freizeitaktivitäten gönnen zu können, gehörte natürlich auch zu Sandras Work-&-Travel-Abenteuer. Flexibel und offen war sie bei der Jobauswahl. Ob Verkäuferin im Hippie-Laden, Barista in einem Café oder Aushilfe auf Musikfestivals: Die Erfahrungen in verschiedenen Gebieten bereicherten nicht nur ihre Persönlichkeit. Ihre Reise plante sie ein halbes Jahr vor dem Abflug, als sie ein Working-Holiday-Visum beantragte. Den Rucksack packte sie aber erst eine Woche vor der Abreise. Die Ausstattung: natürlich keine Bärenglocke – dafür Outdoor-Kleidung und den „Letter of invitation“ und diverse andere Unterlagen, die man bei der Einreise vorlegen muss: „Denn erst dann entscheiden die Grenzbehörden, ob sie den Aufenthalt genehmigen.“ Ansonsten nahm sie nicht viel mit, denn in Kanada kann man sich alles kaufen und der bekannte Store von Canadian Tire ist immer einen Ausflug wert.


Günstige Flüge findet man auf kiwi.com oder Google Flights. Im Vergleich konnte Sandra viel Geld sparen, flog letztendlich von Köln nach Seattle und reiste dann mit dem Zug von Seattle nach Vancouver. „Das Zugticket hatte ich direkt vor Ort gekauft. Die Zugfahrt entlang der Küste ist nur zu empfehlen.“ Rückwirkend betrachtet weiß sie heute, dass diese Fahrt mit dem Blick auf die wilde Natur der Startpunkt dafür war, sich entspannt wie die Einwohner Kanadas einfach nur treiben zu lassen.