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Stadt von Morgen

„Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, sagte einst der Nobelpreisträger Albert Einstein.

Tschüss Gegenwart, hallo Zukunft! Wie sieht die Stadt von morgen aus? flin hat sich in die Zukunft gebeamt und nimmt Sie mit auf eine kleine Reise. Nehmen Sie Platz, schnallen Sie sich an und genießen Sie die Fahrt.

 

 

Leben, wohnen, smarte City

Die Zukunft wird grüner. Der Megatrend Neo-Ökologie weckt in vielen den Wunsch, umweltbewusster zu agieren und das eigene Wohlbefinden zu stärken. Etwas Gutes für sich und die Umwelt tun. Ob ökologische Start-ups, die Zero-Waste-Kultur oder der vegane Lebensstil. Öko-Trends sind im Kommen. Doch was jetzt so langsam ins Rollen gerät, wird zukünftig noch besser gelingen.

Das Klima verbessern und dabei gut aussehen? Das klappt: mit vertikalen Gärten. Die an den Wänden befestigten grünen Oasen regulieren nicht nur die Temperatur, sondern verbessern zudem die Luftqualität der Stadt. Einige Häuserfassaden der Welt schmücken sich bereits mit „Mur végétal“, der französischen Bezeichnung der vertikalen Gärten. Wie so eine Stadt von morgen aussehen kann, verdeutlicht Architekt Stefano Boeri. Über eine Million Pflanzen an Fassaden und Dächern und komplett in Grün getaucht – so soll in China der Öko-Großstadt-Dschungel erbaut werden. Baubeginn 2020.

Smarte Designs verbinden Natur und Technik. Nicht nur in den Megacitys wird der öffentliche Raum voll digitalisiert. Häuser produzieren ihre eigene Energie und verteilen den Überschuss intelligent in der Stadt. Wohnen und Leben wird neu und flexibel definiert. Vertical farming macht die Städte von morgen ökologisch attraktiver und zugleich umweltschonender. Der Anbau von Pflanzen an Häusern, auf Dächern und freien Flächen der Stadt bietet somit eine gute Alternative zum herkömmlichen Anbau.

Flächen nutzen statt ungenutzt lassen. Denn rund 45 Prozent der Treibhausgase entstehen allein bei der Erzeugung von Lebensmitteln, das geht aus dem Weltagrarbericht 2017 hervor. Sei es beim Transport oder der Verarbeitung. Fleisch und Butter verbrauchen weitaus mehr Wasser und Energie als eine rein pflanzliche Ernährung.

Ungenutzt lassen sollte man auch nicht das (noch versteckte) Potenzial der Sharing-Kultur. Ganz gleich ob Gegenstände, Transportmittel oder Wohnungen – zukünftig wird geteilt, getauscht, gemietet. Der Besitz verliert zunehmend an Bedeutung. Was nicht nur günstiger ist, schafft auf der anderen Seite auch neue Werte und Ideale. Weg von der typischen Ellbogengesellschaft und dem egoistisch-narzisstischen Menschen, hin zum Minimalismus. Eine gewisse Bescheidenheit wird auch beim Thema Wohnen aufkommen. Mehr Menschen, die auf der Erde wohnen, bedeuten mehr Menschen, die ein Dach über dem Kopf brauchen. Alternativen müssen her! Das WG-Leben blüht wieder in allen Altersschichten auf, Mehrgenerationen-Häuser sprießen aus der Erde und neue Wohnkonzepte, wie „Tiny Homes“, Micro-Apartments oder Co-Housing-Siedlungen, entstehen. Hochhäuser bekommen einen neuen Glanz. Ob im Luxuspreissegment, mit der einen oder anderen Annehmlichkeit wie einem Concierge, Sternekoch und einer eigenen Reinigung, oder im Vertical-Village-Stil – alles unter einem Dach. In die Lüfte zu bauen spart Platz.

Infrastruktur und Mobilität

Mobilitätsszenarien zeigen auf, wie Menschen sich in den nächsten Jahrzehnten von A nach B bewegen werden. Forscher sind sich sicher, dass das Auto die unangefochtene Nummer eins bleibt, doch autonom und elektrisch statt heteronom und benzinbetrieben. Bad Birnbach in Niederbayern macht es vor. Der erste autonome Bus bringt hier seine Passagiere führerlos ans Ziel. Schnell ist er derzeit zwar nicht (15 km/h), dafür aber unfallfrei.

Bereits im Jahr 2020 soll das erste vollautonome Fahrzeug von smart über die Straßen der Städte düsen. Ohne Lenkrad, ohne Pedale – le chauffeur du futur. Worüber sich die Forscher allerdings im Klaren sind: Sharing-Modelle, wie Bike- und Carsharing, nehmen zu. Teilen statt kaufen, lautet auch hier die Devise. Die öffentlichen Verkehrsmittel gewinnen immer mehr an Bedeutung. Wer auf Geschwindigkeit steht, wird die „menschliche Rohrpost“ lieben. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 km/h soll sie Menschen und Handelswaren ans Ziel befördern. Das Unternehmen Hyperloop One arbeitet bereits daran – und das mit Erfolg. Bei der Testfahrt in Nevada, Anfang April 2018, fuhr der Hyperloop bereits mit einer Geschwindigkeit von 386 km/h auf seiner 500 m langen Fahrt. Das klingt vielversprechend, zukünftig lange Strecken innerhalb kurzer Dauer zurücklegen zu können.

Nicht weniger futuristisch: Passagierdrohnen. Dubai war schnell und kooperiert mit dem deutschen Unternehmen Volocopter. Die Luxus-Stadt in den Vereinigten Arabischen Emiraten will bis 2030 ein Viertel ihrer Transportmittel auf Drohnentaxis umstellen.

Drohnen eignen sich nicht nur als Fortbewegungsmittel, bis 2050 sollen rund eine Million Drohnen in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz kommen. In der Landwirtschaft stellen Drohnen eine effiziente Methode zur Düngerverteilung dar, im Versicherungssektor können sie ein hilfreicher Freund zur Schadensbegutachtung werden. Und auch für Anbieter öffnen sich neue Verwendungsmöglichkeiten der kleinen Flitzer. Pakete zukünftig von einer Drohne geliefert zu bekommen, klingt gar nicht mehr so abwegig. Dass das durchaus funktioniert, zeigt Amazon Prime Air. Der Online-Versandhändler beliefert seine Kunden mit Drohne und Fallschirm. Die erste Bestellung Ende 2016 verlief erfolgreich. Innerhalb 13 Minuten nach der Bestellung konnte sich der aus Großbritannien stammende Kunde über sein Paket freuen.

Shopping, Payment und Digitalisierung

Das Shopping-Erlebnis der Zukunft ist, wie nicht anders zu erwarten, digital. Den wöchentlichen Einkauf per Klick über das Internet erledigen? Warum nicht? Mithilfe von Voice-Shopping könnten die typischen Kassenterminals und Einkaufswägen entfallen und das Einkaufen damit noch bequemer und einfacher gestaltet werden. Das lästige Regale-Auffüllen und Preisschilder-Korrigieren könnte bald ebenfalls schon der Vergangenheit angehören. Cobots, wie sie in der amerikanischen Supermarktkette Walmart zu finden sind, bestellen fehlende Produkte automatisch nach, korrigieren falsche Preisschilder und säubern die Regale. Das Shopping-Erlebnis von morgen muss jedoch fühlbarer und emotionaler gestaltet werden. Einzelhändler müssen kreativ werden, um ihre Kunden, trotz der Onlinevielfalt, in die Geschäfte zu locken. Das ergab eine Forschung des Instore-Medien-Unternehmens Mood Media in Zusammenarbeit mit der Universität Angers in Frankreich vergangenes Jahr. Die Zielsetzung des Einzelhandels lautet demnach mieten statt kaufen, reparieren statt erneuern und Produkte „on demand“ herstellen statt auf Lager halten.

Beim Thema Einkauf rückt die Frage nach der Bezahlung immer weiter in den Fokus. Wie bezahlen wir denn nun in Zukunft? Das Bargeld verabschiedet sich so langsam, aber sicher und macht dafür neuen Innovationen Platz. Dein Auto bezahlt, während du nach dem Tanken wieder ins Auto steigst? Jaguar und Shell bieten bereits ein solches Car-Payment-System an. Das Bezahlen per Fingerabdruck ist auch schon im Gespräch. Es eignet sich somit nicht nur zum Entsperren des Smartphones, sondern auch zum Bezahlen der Einkäufe. Ob der Fingerabdruck-Scan nicht doch von Hackern geknackt werden kann, ist allerdings nicht gewiss. Ein deutlich sichereres Verfahren: das Venenmuster der Handfläche. Das System soll jedoch nur funktionsfähig sein, wenn das Blut tatsächlich durch die Adern pumpt. Noch ein futuristisches Zahlungsmittel: der Iris-Scan. Ein ebenso unveränderliches und einmaliges biologisches Körpermerkmal. In Zaatari, einem Flüchtlingscamp im Norden Jordaniens, werden Einkäufe mit dieser Technologie bezahlt. Die Zukunft ist somit näher, als man denkt.

Bildung, Genuss und Kultur

Kommt unser zukünftiges Essen aus dem 3D-Drucker? Keinesfalls unmöglich. Der „Pixel Food Printer“ aus Japan druckt essbares Sushi. Mithilfe der Plattform „Food Base“ können die User ihre 3D-Drucker- Rezepte einpflegen und so der breiten Masse zugänglich machen. Digitales Foodsharing quasi. Sich nur von gedruckten Mahlzeiten zu ernähren, wird für den Normalbürger der Welt relativ eintönig. Alternativen in der Hausmannskost gibt es längst. Algen, Insekten, Konjak (nicht der Alkohol – eine Pflanzenart), im Labor gezüchtetes Fleisch – Lösungen stehen parat. Ob wir uns aber tatsächlich damit anfreunden können, Wurm-Cracker, Heuschrecken-Spieße oder in Knoblauch marinierte Grillen als Fleischersatz anzusehen, bleibt abzuwarten.

Der Digitalisierung zu verdanken, verändert sich auch das Bildungskonzept an Schulen und Universitäten. 2016 eröffnete die erste Smart School Deutschlands. Lehrer ausgestattet mit Tablets, digitale statt analoge Klassenbucheinträge, eine Bildungscloud im Schulsystem und die Kommunikation der Lehrbeauftragten ausschließlich digital. In der Welt von morgen spielt der richtige Umgang mit digitalen Medien eine bedeutende Rolle. Denn wegzudenken sind Tablet und Co. nicht mehr. Selbstständig sein Wissen zu erweitern wird in Zukunft eine übergeordnete Rolle spielen. Immer mehr Elite-Universitäten, wie Harvard oder Berkeley, bieten vermehrt kostenlose Onlinekurse an. Finden Vorlesungen in Zukunft nur noch über virtuelle Lehrsäle statt? Entspannt vom Sofa aus? Gut möglich. Das zeigt uns nurmehr, dass die wahre Macht der Menschen die Bildung ist. Egal wie die Zukunft von morgen aussehen wird. Ihr beim Entstehen zuzuschauen, ist schon superspannend. Ob wir in zwanzig, dreißig Jahren nur noch per Hyperloop reisen oder Insekten von der Speisekarte nicht mehr wegzudenken sind, erleben wir, wenn es so weit ist. Bis dahin leben wir weiter in der nicht so schlechten, an die Zukunft denkenden Gegenwart.

Der Zukunft auf der Spur - Interview mit Mathias Haas

Megatrends sind sein Fachgebiet. Der TRENDBEOBACHTER zeigt Ihnen die Zukunft – und das bereits heute. Als Redner, Berater und Autor ist er stets up to date. Immer den nächsten Trend im Visier. Denn Zukunft geschieht schon jetzt.

Wohnen mit mehr Menschen in den Städten erweist sich schwierig für neue Wohnkonzepte. Was ist die ideale Lösung für die Zukunft?
Also verkehrstechnisch muss das Auto aus den Städten raus. Es gibt bereits einige tolle Ansätze in Skandinavien. Zum Beispiel in Helsinki werden Stadtautobahnen aufgelöst, um Wohnraum zu schaffen. In Kopenhagen baut man wiederum massiv neue Radwege. Hier kann man inzwischen wirklich volle 30 Kilometer ohne abzusteigen mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Das Auto braucht einfach zu viel Standfläche. Die Straßen sind ja geprägt von Autos. Und so was wie Ride-Sharing – z. B. Uber – ist eine Teillösung, die normal wird.

Wovon machen Sie privat Gebrauch, Carsharing oder eigenes Auto?
Beides. Also somit das Desaster schlechthin. Ich habe ein eigenes Auto, das im Hof steht, und on top nutze ich Carsharing, weil es einfach bequemer ist.

Haben Sie vor, das Auto mal ganz abzuschaffen?
Ich hatte es schon ganz abgeschafft für ein halbes Jahr. Genau zu dem Zeitpunkt, als Carsharing in Stuttgart aufkam und es damals technisch noch nicht stabil war. Meine These ist, dass derjenige, der es sich leisten kann, auch weiterhin ein Auto besitzt. Es wird natürlich Schritt für Schritt teurer und diesen Luxus kann sich zukünftig nicht jeder leisten.

Stichwort Passagierdrohnen – könnte sich das zu einem Transportmittel der Zukunft etablieren?
Es gibt Städte – wie etwa São Paulo –, die haben heute bereits mehr Helipads als Bushaltestellen. Aus Sicherheits- und logistischen Gründen fliegt man dort Helikopter, sofern man über das nötige Geld verfügt. Zukünftig werden diese Menschen Passagierdrohnen nutzen. Die ersten Drohnen fliegen schon – und dies sogar autonom. 2050 werden wir ein paar mehr davon sehen. Ob diese dann zum Standard in unserem Straßenbild gehören, kann ich nicht beurteilen.

Der Supermarkt der Zukunft – was wird sich verändern?
Es wird eine klare Positionierung geben – also entweder günstig-günstig oder Premiumwaren. Im oberen Segment heißt dies, dass Geschäfte zu wahren „Markentempeln“ werden, die ihr ganz eigenes Publikum haben.

Was können wir uns unter einem Markentempel vorstellen?
Letztendlich geht es dabei um den perfekt inszenierten Einkauf. Etwa beim Autokauf: Der Markentempel gleicht einem Erlebniscenter – in dem Sie hautnah Blech und Farben anschauen, Sitze testen und vielleicht sogar noch um den Block fahren dürfen. Den Autokauf selbst erledigen Sie per Smartphone.

Was passiert mit dem Zahlungsverkehr?
Der Zahlprozess wird fast unsichtbar werden – ein automatisierter Prozess, den wir beim Shoppen nur am Preisschild wahrnehmen. Kassen sind Fehlanzeige.

Was bedeutet das für Produkte?
Innovationen und Weiterentwicklungen sind und bleiben weiterhin sehr wichtig. 2050 wird es sicherlich sehr viele Produkte geben, die beispielsweise das Essen komplett ersetzen, also Richtung „Super-Food“. Weil es billiger ist, weil keiner mehr kochen kann – oder will – und weil es besser ist.

Stichwort Freizeitgestaltung. Verbringen wir unsere Zeit vielleicht in spacigen Holodecks wie in Sciene-Fiction-Filmen?
Schauen Sie mal, wie stark die Spieleindustrie wird. Virtual Reality wird täglich besser. In der Industrie sind virtuelle Hilfsmittel heute schon normal. Da merken Sie, die Entwicklung rollt. Auch, wenn der Verbraucher sich erst noch daran gewöhnt. Doch geben wir der Geschichte noch zehn bis 15 Jahre. Die einen werden Digital Detox oder VR-Detox machen und gehen dann zum Angeln, lassen das Handy aber im Auto. Und die anderen Menschen werden gechippt sein. Wir sind die letzte Generation, die nur Tattoos will. Die nächste lässt sich chippen. Hundertprozentig. Dann brauchen Sie vielleicht auch kein Handy mehr.

Künstliche Intelligenz sehen viele als Chance. Sie auch?
Sicher ist es eine Chance, sicher aber auch eine Gefahr. Fakt ist: Wir müssen heute schon dem Algorithmus gefallen. Aktuell ist „Künstliche Intelligenz“ das neue Buzzword. „Digitalisierung“ wird normal und den Begriff können viele nicht mehr hören. Jetzt kommt also die nächste Ausbaustufe „KI“. Sie werden merken, in ein oder zwei Jahren sprechen wir nicht mehr von dieser Überschrift, sondern schon vom nächsten Begriff. So was wie Bilderkennung klappt heute schon sehr gut. Bilderkennung zeigt, was KI kann. Einerseits können Supercomputer heute schon Kochbücher schreiben und auf der anderen Seite kaum laufen.

Wie wird unser Bildungssystem von morgen aussehen?
Sicher wird es den Präsenzunterricht noch geben. Aber nicht zur Informationsvermittlung. Das macht keinen Sinn, irgendwo hinzufahren – auf eine Tagung oder zu einer Schule, Uni. Das kann ich bereits vorher per Video erledigen – in der S-Bahn, im Bus oder im Eltern-Taxi.

Haben Sie schon den nächsten großen Megatrend im Visier?
So etwas wie Bionik oder Bio-Tech ist in Deutschland noch nicht weit entwickelt. Man kann aus der Natur sehr viel lernen. Auch in der DNA-Forschung und DNAOptimierung wird sich einiges tun, da werden aber die Chinesen vorne sein – zumindest was der Stand der Dinge heute aussagt. Wir ignorieren es ja fast. Es wird spannend werden, aber gerade diese DNA-Geschichte ist etwas gruselig, da wird es dann sehr unterschiedliche Maßstäbe geben.