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Serienreife

"Lass uns einen Disney® gucken!"

S-POOL - TIPP
Serientalk mit Alper Turfan

Zur Person

Alper Turfan ist seit Ende 2017 Geschäftsführer & Künstlerischer Leiter der Film- und Videoproduktionsfirma Schattenwolf GmbH. Seit Februar 2018 produziert, moderiert und schreibt er für den Film-, Serien- und Comics-Kanal Cinema Strikes Back, der von den Öffentlich-Rechtlichen betrieben wird. Zuvor leitete Alper den renommierten Filmkanal DieFilmfabrik, der mit einer halben Million Abonnenten zu den größten Filmkanälen Deutschlands zählte.

Im Roman "Der Wolkenatlas" werden in einer dystopischen Zukunft Filme nur noch als Disneys bezeichnet, weil der Konzern die gesamte Unterhaltungsbranche aufgekauft hat. Der Gedanke hinter dieser düsteren Vision ist aktueller denn je. Spätestens seit dem Kauf der Firmen Marvel und Lucasfilm ist Disney nicht mehr nur familienfreundlicher Zeichentrick, sondern der erfolgreichste Konzern in der weltweiten Medienlandschaft. Im Dezember 2017 wurde bekannt gegeben, dass sich Disney große Teile des Unterhaltungsriesens 21st Century Fox für eine astronomische Summe von 71,3 Milliarden US-Dollar einverleiben möchte.

Das amerikanische Justizministerium hat jüngst die Übernahme für rechtens erklärt. Der Kauf – das ist jetzt schon klar – wird die gesamte Medienlandschaft erschüttern. Fox könnte umstrukturieren und das Geld in den konservativen Nachrichtensender Fox News fließen lassen, der vor dem Kauf abgespalten werden soll. Disney hingegen würde etwa 40 % des Kinomarktes ausmachen. Der Konzern hätte sich auf einen Schlag den Streamingdienst Hulu und die Rechte an Alien, Avatar, den Simpsons und Predator unter den Nagel gerissen. Auch die filmischen Rechte der Comic-Universen von X-Men, Fantastic Four und Deadpool wären auf einen Schlag in der Hand der Mickey Maus, sowie die Serien Family Guy, American Dad oder etwa The Americans.

Viele Zuschauer könnten sich damit auf einen Avengers vs. X-Men-Film freuen oder auf ein episches Aufeinandertreffen von Spider-Man und Deadpool in einer Fernsehserie. Wer deswegen glücklich über die Übernahme ist, verliert den Blick für das Ganze. Disney übt großen Druck auf die kleinen Kinos aus und diktiert ihnen deutlich rigorosere Laufzeiten als die Konkurrenz. Vielen Kinos bleibt keine Wahl: Um profitabel zu bleiben, müssen sie die gigantischen Blockbuster des Konzerns ins Programm nehmen, obwohl sich viele Kinos die vier Wochen Laufzeit kaum leisten können.

Der Deal ist außerdem ein großer Schlag gegen die Kreativität auf der Leinwand und im Fernsehen. Fortschritt gedeiht im Wettbewerb und das gilt auch für die Kunst. 20th Century Fox und Fox Searchlight produzieren vor allem Filme für Erwachsene, zuletzt konnten sie mit Filmen wie Shape of Water und Three Billboards Outside Ebbing, Missouri bei den Oscars abräumen. Mit 20th Century Fox Television mischt Fox seit vielen Jahren auch im Seriensegment mit. All diese Firmen gehören bald einem Konzern, der vor allem ein Interesse daran hat, familienfreundliche Blockbuster-Unterhaltung zu produzieren.

Wer weiß? Vielleicht sitzen wir in einer fernen Zukunft tatsächlich in einem Disney-Rama®, um nach dem Kauf eines Disney-Tickets® einen Disney® zu gucken.