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Serienreife

„Deutschland ist zurück!“

S-POOL - TIPP
Serientalk mit Alper Turfan

Zur Person

Alper Turfan ist seit Ende 2017 Geschäftsführer & Künstlerischer Leiter der Film- und Videoproduktionsfirma Schattenwolf GmbH. Seit Februar 2018 produziert, moderiert und schreibt er für den Film-, Serien- und Comics-Kanal Cinema Strikes Back, der von den Öffentlich-Rechtlichen betrieben wird. Zuvor leitete Alper den renommierten Filmkanal DieFilmfabrik, der mit einer halben Million Abonnenten zu den größten Filmkanälen Deutschlands zählte.

Ist die deutsche Unterhaltungsindustrie an ihrem Tiefpunkt angekommen? Mittlerweile gehört es zum guten Ton, sich über die fehlende Kreativität auf der Leinwand zu beschweren. Suchte man in den letzten Jahren nach interessanten Werken aus Deutschland, musste man oft fernab des Mainstreams blicken.

Nun scheint der Knoten zumindest im Serien-Sektor geplatzt zu sein. Im letzten Jahr sind einige Produktionen veröffentlicht worden, die weltweit Aufmerksamkeit erregten. Schon 2015 erschien die prestigeträchtige Spionage-Serie Deutschland 83, die hierzulande keine Erfolge feiern konnte, aber international zu gefallen wusste. Nun bekommt die Serie von Amazon Prime eine zweite Staffel namens Deutschland 86 beschert. 2017 wurde außerdem eine 40 Millionen Euro teure Krimi-Serie namens Babylon Berlin veröffentlicht. Die von Lola-Rennt-Regisseur Tom Tykwer mitgeschaffene Serie spielt im Berlin der Goldenen Zwanziger. Aus der Sicht des Kommissars Gereon Rath wird dabei ein elektrisierendes Bild von Extremismus, Mord und Kunst gezeichnet. Ein waschechter Geheimtipp ist 4 Blocks. Darin geht es um ein Viertel in Neukölln, in dem ein krimineller Familienclan sein Unwesen treibt. Die Authentizität der Serie ist unvergleichlich, weil reale Menschen aus dem Milieu gecastet worden sind. 4 Blocks könnte auch der inhaltliche Vorläufer für Dogs of Berlin sein: eine brandneue Netflix-Serie, die noch 2018 veröffentlicht werden soll. Darin geraten zwei Berliner Polizisten in eine gefährliche Unterwelt voller Drogenclans, Neonazis und der kompromisslosen Wettmafia.

Den größten Eindruck hinterließ die erste deutsche Netflix-Serie überhaupt. Dark ist schon seit der Erscheinung im Dezember 2017 in aller Munde und hat nicht nur in Deutschland eine leidenschaftliche Anhängerschaft gefunden. Baran bo Odar ist der kreative Kopf hinter dem Projekt, ein Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film München. Nachdem der deutsche Filmemacher mit seinem Thriller Who Am I Hollywood-Produzenten und Kollegen auf der gesamten Welt beeindruckte, setzte Netflix sein Vertrauen in ihn. So setzte er Dark um, eine düstere Serie über eine deutsche Kleinstadt, die sich durch verschiedene Zeitebenen schlängelt. Dark kam bei den Zuschauern und den Kritikern so gut an, dass bereits eine zweite Staffel bestätigt worden ist. Netflix scheint auf den Geschmack deutscher Serien gekommen zu sein, denn auch der Roman Die Welle soll eine hochwertige Serienadaption bekommen. Dabei wurde der Stoff bereits 2008 mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle als Kinofilm veröffentlicht.

Ist die deutsche Unterhaltungsindustrie endlich im 21. Jahrhundert angekommen? Wir befinden uns momentan in der goldenen Ära des Fernsehens und Deutschland scheint mit ungebremster Schöpfungskraft richtig nachzuziehen. Hoffentlich ist das nicht nur eine kurze Momentaufnahme, sondern ein knallender Startschuss für eine neue und glänzende Ära der deutschen Unterhaltungskunst.